DM8000 + DM12000: Nicht nur sauber, sondern rein!

Das sagt Stefan Motyka, Senior Product Manager bei Leica Mikrosystems in Wetzlar. In einem Interview mit dem Technikjournalisten Heinz-Joachim Imlau verrät er weitere Features, die das DM8000/12000 nach seinen Worten zum „Rennwagen“ unter den Inspektionsmikroskopen machen.

Herr Motyka, wieso ist das DM8000/12000 eigentlich schnell?

Die Schnelligkeit liegt einfach darin begründet, dass sowohl das DM8000 als auch das DM12000 – letzteres besitzt lediglich einen größeren Tisch – im Vergleich zu herkömmlichen Mikroskopen einen viermal größeren Überblick bietet. Verantwortlich dafür ist der integrierte Makro-Modus. Bei den sonst üblichen Objektiven mit deutlich höherem Vergrößerungsfaktor sieht der Anwender oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Beim DM8000/12000 sieht er im Makro-Modus sofort die „Lichtung“, auf die es ankommt, wechselt das Objektiv und ist sofort „mittendrin“. Der Probendurchsatz erhöht sich damit dramatisch.

Apropos Anwender: Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Produktionsbetrieben für elektronische Komponenten der Mensch häufig das schwächste Glied in der Qualitätskette darstellt. Vor allem dann, wenn im Dreischichtbetrieb gearbeitet wird und rund um die Uhr höchste Ansprüche an die Bauteilgüte gestellt werden. Wie begegnet Leica dieser Herausforderung?

Wir bei Leica kennen die Problematik, verursacht einerseits durch Mangel an hochqualifiziertem Personal, andererseits durch Zeit- und Kostendruck. So haben wir unser DM8000/12000 so konzipiert, dass Fehlbedienungen oder die berühmten „Basteleien“ ausgeschlossen sind. Je nach Qualifikation des Anwenders sind kritische Konfigurationen des Mikroskops durch programmierbare „User Level“ entweder ausgeschlossen oder freigeschaltet. Hinzu kommt die mechanische und elektrische Stabilität, die auch im Dauereinsatz nicht schlapp macht sowie die durchdachte Ergonomie.

Mikroskopische Bauteilinspektion ist nach wie vor ein subjektives Betätigungsfeld, trotz aller Fortschritte beispielsweise in der KI. Wie stellen Sie sicher, dass auch ein ungeübter Anwender keine oder nur sehr wenige Fehlinterpretationen abliefert?

Der wichtigste Faktor bei der Beurteilung von Bauteilen ist die Eindeutigkeit. Der typische Anwender in diesem Bereich vergleicht ausgedruckte Mikroskopaufnahmen – den Referenzbildern – mit dem, was er im Okular sieht. Bei einem herkömmlichen Mikroskop mit Halogenbeleuchtung ändern sich die Farbtemperatur schon nach wenigen Hundert Stunden. So sieht der Anwender zum Beispiel im Okular rötlich schimmernde Lötstellen, die laut den Referenzbildern eigentlich weiß sein müssten. Damit dies nicht passiert müssen die Halogenlampen regelmäßig ausgetauscht werden.

Und Leica setzt stattdessen LEDs ein?

Richtig, und zwar kalibrierte LEDs mit einer standardisierten Farbtemperatur von 3800 °K und einer Standzeit von mehr als 25.000 Stunden. Wurden die Referenzbilder ebenfalls mit dieser Farbtemperatur aufgenommen, sind die Ergebnisse problemlos zu interpretieren, subjektive Fehler werden minimiert, der Durchsatz erhöht.

Das DM8000/12000 bietet für ein Lichtmikroskop erstaunlich scharfe Detailaufnahmen, die man so eigentlich nur von Elektronenmikroskopen kennt. Hat Leica etwa physikalische Gesetzte überlistet?

Könnte man so sagen. Denn Licht ist bekanntlich nicht gleich Licht: Je kürzer die Wellenlänge, desto mehr Details lassen sich abbilden. Wir haben in das DM8000/12000 einfach eine kurzwellige Lichtquelle eingebaut, die nicht sichtbares Licht erzeugt, und zwar im UV-Bereich. Im Okular ist dadurch zwar nichts zu sehen, dafür aber auf dem Monitor. Einfach ausgedrückt nimmt eine spezielle Digitalkamera die Reflexion der Probe im UV-Licht auf und wandelt sie in sichtbare Monitorbilder um.

Sogar 3D-Bilder sollen sich so erzeugen lassen?

Richtiges 3D natürlich nicht, da wir ja nur einen Strahlengang zur Verfügung haben. Plastische Bilder wären der bessere Ausdruck. Wir nutzen dafür das OVU, das „oblique UV“, also eine schräge Beleuchtung mit UV-Licht. Dank der höheren Schärfentiefe des UV-Bereichs entstehen sehr aussagekräftige Abbildungen – was wiederum die Eindeutigkeit und damit den Durchsatz erhöht.

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