Interview mit Herrn Grün

Sechs Fragen an den Ausbildungsleiter der Feinoptik

Heute möchte ich euch unseren Ausbildungsleiter des Bereiches Feinoptik vorstellen. Er betreut alle Feinoptik-Azubis in Wetzlar und bringt einiges an Erfahrung mit.

1. Kurze Vorstellung

Name: Burkhard Grün
Alter: 55 Jahre
Ist verheiratet und hat zwei Kinder

2. Wie sind Sie zu Leica und dem Beruf gekommen?

Ich habe im August 1981 meine Ausbildung zum Feinoptiker bei Leica begonnen. Da mein Vater selber Feinoptiker war, bin ich sozusagen mit der Optik großgeworden und habe dann das Hobby zum Beruf gemacht. Nach dem frühzeitigen Abschluss war ich ein paar Jahre als Facharbeiter im Betrieb, bevor ich dann im Jahre 1993 die Weiterbildung zum Industriemeister begann. Dann ging alles relativ schnell. Da der damalige Ausbildungsleiter in Rente gehen sollte und der ADA (Ausbildung der Ausbilder)-Schein bereits bestanden war, wurde ich auf die Stelle angesprochen und habe mich intern beworben. Gleichzeitig habe ich den Posten im Prüfungsausschuss der IHK übernommen und wurde dort schließlich Vorsitzender. Seitdem leite ich die Ausbildung und gebe meine Erfahrung an die Auszubildenden weiter.

3. Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Ausbildung? Gibt es Unterschiede?

Im Grunde haben sich die Ausbildungsinhalte nicht geändert. Es sind immer noch dieselben Grundlagen und Techniken, die die Auszubildenden erlernen. Durch den technischen Wandel hat sich allerdings der Bereich der Fertigung verändert. Es wird immer mehr CNC-Technik verwendet und die Mess- und Fertigungstechniken werden weiterentwickelt, sodass weniger handwerklich gearbeitet werden muss. Allerdings ist eine Maschine immer nur so schlau wie ihr Operator. Es gilt die Grundlage zu kennen, um die Maschine richtig bedienen zu können. Wichtig ist, dass die Optik keine Serienfertigung ist und auch nie sein wird. Jede Linse wird immer noch einzeln gefertigt – die Maschine ist nur eine Unterstützung.

4. Welche Wege kann man nach der Ausbildung als Feinoptiker gehen?

Auch wenn der Beruf des Feinoptikers eher zu den Unbekannten gehört, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich nach der Ausbildung weiterzubilden. Zuerst einmal gibt es viele verschiedene Fachbereiche und Abteilungen, in denen man sich weiterentwickeln und intern spezialisieren kann. Außerdem kann man die Weiterbildung zum Industriemeister oder zum Handwerksmeister machen. Der wesentliche Unterschied dabei ist, dass in der Weiterbildung zum Handwerksmeister ein ausgeprägter kaufmännischer Teil enthalten ist. Aktuell gibt es im Hause Leica fünf Mitarbeiter, welche sich in einer Weiterbildungsmaßnahme zum Industriemeister befinden. Hinzu kommen Technikerausbildungen in verschiedenen Formen: Techniker für Optoelektronik, im Feinwerk- und Maschinenbau und in Zukunft auch der Techniker in Fachrichtung Optik. Viele dieser Fachbereiche können natürlich auch anschließend als Studium weiter ergründet werden.

5. Wer ist für diese Ausbildung geeignet?

Als Feinoptiker benötigt man vor allem ein abstraktes Vorstellungsvermögen. Die Fähigkeiten, komplexe Themen zu verstehen und verschachtelt denken zu können, sind meistens mit einem hohen Interesse an Naturwissenschaften verknüpft. Allerdings sind auch eine gute Feinmotorik und Ausdauer entscheidend. Die Bereitschaft, sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einer Linse zu beschäftigen und die Eigenmotivation, diese bis in den Nanometer-Bereich perfekt zu machen, sollten vorhanden sein. Ich würde Feinoptiker auch als „kleine Künstler“ bezeichnen.

6. Was kann man in der Optikausbildung bei Leica Microsystems erwarten?

Die Ausbildung des Feinoptikers ist eine Besonderheit, weil die Kerninhalte nicht durch Maschinen ersetzbar sind. Unsere Azubis erlernen einen einzigartigen und zukunftsfähigen Beruf. Außerdem bekommt man hier die Möglichkeit sehr selbstständig zu arbeiten und gleichzeitig einen gewissen Gruppenzusammenhalt zu haben. Besonders während der Projektarbeit nach der Zwischenprüfung entsteht eine tolle Gemeinschaft. Inhalt ist die Erschaffung eines Glasobjektes innerhalb eines Teams unter Einbeziehung möglichst aller Bearbeitungs- und Fertigungsverfahren. Dabei geht es um Projektmanagement, gemeinsame Planung und Steuerung und ganz besonders um Selbstständigkeit und Verantwortung.

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